Bücher über die Post (V)

Das letzte Buch ist mein Lieblingspostbuch – das absolute Muss für Postler, also ideal zu Weihnachten.

Elmar Tannerts „Ausgeliefert“ kommt tatsächlich eingepackt in einem gelben Paket. Beschrieben wird der Alltag eines Paketzustellers (genannt Fürst). Es wird wirklich alles abgehandelt, was wichtig ist:

Der Benachrichtigungswahnsinn, der Wahnsinn im Alltag mit den Vorgesetzten, die politische Rahmenbedingungen (zB. Liberalisierung des Postmarktes), der Alltag mit berechneten Zeitfenstern usw.

Das ganze auch noch in Nürnberg, wo ich mal ein paar Jahre gelebt habe, daher ist es besonders amüsant die Straßennamen wieder zu erkennen.

Da das Buch wirklich gut ist, hier ein paar mehr Zitate zu verschiedenen Themen:

Zur Liberalisierung der Paketdienste

…keiner der Postentmonopolisierungsverschwörer hat bedacht, daß als Konsequenz seiner Privatisierungsmaßnahmen die Maurer von der Herbertstr. 17, die Babinsky vom Ölbaumweg 58 oder die Lenhardt von der Schweinauer Hauptstraße 4, alle diejenigen, die als einzige tagsüber in den Mietshäusern anzutreffen sind, im Laufe eines Tages nicht nur von der Post, sondern vom dpd, vom UPS, vom German Parcel, vom Hermes an der Tür geklingelt werden. Es war noch nie angenehm, in Erdgeschoßwohnungen zu leben, aber wer im Zeitalter der wirtschaftlichen Liberalisierung eine Erdgeschoßwohnung bezieht, der hat ab dem Einzug aufgehört zu leben, denn sein sogenanntes Leben besteht fortan daraus, vormittags diversen Paketdiensten die Tür zu öffnen, Pakete entgegen zu nehmen und sie nachmittags den heimkehrenden Bestellerinnen auszuhändigen.

Zum Kampf um die Straßen

Nicht zu wissen, wann wo die Müllabfuhr unterwegs ist, kann dich Minuten kosten. Von den Müllkutschern kann man keine Rücksicht erwarten; die Müllkutscher bringen es fertig, noch die breitesten Straßen zu blockieren. Die Müllkutscher sind zu allem imstande, denn sie sind pro Wagen mindestens zu dritt, wenn nicht zu viert oder zu fünft. Wenn sich die Müllkutscher dienstags zwischen zehn und elf im Cafe in der Schwabacher Straße 75 zur Frühstückspause treffen, im selben Cafe, in dem der Seidl Benachrichtigungskarten ausfüllt und Briefkuverts beschriftet, stehen insgesamt vier Müllwagen warnblinkend in zweiter Reihe in der Schwabacher Straße, zwei auf jeder Straßenseite; in der Mitte bleibt ein einspuriges Nadelöhr, in dem man sich um die Vorfahrt streitet, weil für jeden die eigene Fahrbahn und die Gegenfahrbahn von warnblinkenden Müllwagen blockiert ist.

Mitarbeiter der Bemessung (Erfinder der Zeitfenster) wundert sich über die Arbeit des Zustellers

… schon gegen halb zwölf war dem Erfinder der Zeitfenster anzumerken, daß seine Aufnahmekapazität erschöpft war; er muß geglaubt haben, ein Fürst arbeite ausschließlich mit Händen und Füßen, tragend und gehend; er muß geglaubt haben, er sei derjenige, der die Kopfarbeit erbringe, und nicht die Fürsten. Als sie von der Schweinauer Hauptstraße in die Albertstraße abgebogen waren und der Fürst, wie üblich, den Postwagen schräg gegenüber vom Spielautomatenlokal geparkt hatte, hat er dem Erfinder der Zeitfenster die Bestellerinnen aufgezählt, die an mindestens drei Werktagen tagsüber im Lokal anzutreffen sind.
„Es fehlt nur noch, Fürst, daß Sie mir beschreiben, an welchen Stammplätzen die Bestellerinnen sitzen.“

„Die Költsch von der Teslastraße 6 sitzt am Ecktisch ganz hinten rechts, die die Kunz von der Albertstraße 3 sitzt links, an einem Platz direkt am Fenster, und die Bayer von der Schweinauer Hauptstraße 114 meist auf einem Barhocker ganz vorn am Tresen.“

 

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