Die liebe Tabakindustrie und ihre Lobby

Kaum wird in Bayern für Gesundheitsschutz entschieden schreien alle auf, wie undemokratisch Volksentscheide doch nun sind. Schließlich sei die Wahlbeteiligung so niedrig gewesen.

Die sog. „Nichtraucherlobby“ wird ebenfalls als Hauptdrahtzieher genannt, wer soll das bitte schön sein? Die Marketingabteilung der Nichtraucher GmbH & Co KG? Ihren Einfluss kann man als gering bezeichnen, wenn man sie mit den Aktivitäten der Tabakindustrie vergleicht, die deutlich mehr bewegen kann. Gereicht hat es in Bayern aber zum Glück nicht.

Diejenigen, die sich über die geringe Wahlbeteiligung aufregen, zeigen mal wieder ihre Respektlosigkeit gegenüber der Wählerschaft. Denn die Mehrheit der Wahlberechtigten hat durch die Wahlenthaltung gezeigt, dass sie sich der Mehrheitssieger der Wahl anschließt, in diesem Fall für das strikte Rauchverbot.  Die selben Leute, die jetzt darüber schimpfen, dass die Wahlbeteiligung nicht so hoch war, haben keinen Respekt vor dem demokratischen Grundrecht der Wahl, das ebenso das Recht beinhaltet nicht zur Wahl zu gehen und sich so dem Mehrheitssieger anzuschließen. Alle Menschen haben ein Recht darauf, dass ihnen eine Wahl egal ist.

Die selben Leute, die jetzt schimpfen, fühlen sich in ihrer Freiheit eingeschränkt. Also der Freiheit einer Minderheit (Raucher/innen), die durch das Geld, was sie in die Kippen und Tabak stecken, einen großen Industriezweig finanzieren.

Es sind immer die selben Schlagwörter, mit denen eine Einschänkung des Rauchens verhindert werden soll, es geht immer um die vermeintliche Freiheit einer Minderheit, der Rauchenden, statt um die Freiheit der Mehrheit, der Nichtrauchenden. Das ist der zu konservierende Normalzustand, der ebenso mit Tradition begründet wird. Zu finden auch in der linken Szene: Durch das Setzen des Rauchens als Normalzustands, bedarf es Konsensentscheidungen, um eine Rauchfreiheit einzuführen. Wieso? Weil’s halt schon immer so war! Tradition als wichtiges Kampfmittel, auch bei linken Menschen? Klar, schließlich gehört das Anbiedern an die Zigarettenindustrie ebenso zum Habitus, wie das Rauchen möglichst spezieller Sorten von Drehtabak (man will ja nicht Mainstream sein). Der Gesundheitsschutz wird hier als Eingriff von Außen definiert, den es  zu bekämpfen gibt. Zumindest trifft das auf die Menschen zu, die sich liberal nennen und eigentlich zu tiefst staats“feindlich“ oder -misstrauisch sind.

Die Tabakindustrie kann sich daran nur freuen. Und wie sie ihre Lobbyarbeit betreibt hat wurde von einigen Jahren exemplarisch an Hand der Frage des Passivrauchens herausgearbeitet.  Dazu habe ich 2007 schon gebloggt und hole den Artikel gerne wieder aus dem Archiv:

Die Kooperation von Tabakindustrie, Politik und Wissenschaft ist in Deutschland sehr stark ausgeprägt. Selbst die SPD bleibt davon nicht verschont, ein Beispiel ist die Vorwärts, in der sich in jeder Ausgabe  verherrlichende Reemtsma-Werbung findet. Eine Studie zeigt die oben genannte Verflechtung. Gefunden habe ich sie gestern bei einer Sendung des SWR. Lustig fand ich v.a.D. die Worte von Germanwings-Chef Winkelmann, in denen er berichtete, wie die Rauch-Lobby Zwischenfälle in Flugzeugen provozierte, um darzulegen, wie problematisch Nichtrauch-Flüge sein. Andere lustige Zitate stammen zB. von Gernot Erler (Aussage = Null) und irgendwelchen Liberalen, die ignorieren, wie sehr sie durch ihr dummes Gerede die Nichtrauchenden einschränken.

Die Studie (Kurzfassung auch auf deutsch):
Bornhäuser, Annette et al.: German Tobacco Industry’s Successful Efforts to Maintain Scientific and Political Respectability to Prevent Regulation of Secondhand Smoke. San Francisco 2006.
Download:
Sehr interessant fand ich einige Quellen der Studie: Aufgrund der ganzen Prozesse gegen die Tabakindustrie in den USA wurden Dokumente der Tabakindustrie veröffentlicht. Diese bilden die Grundlage für die oben genannte Studie. Manche der Archive sind sogar online einsehbar, wie das der „British American Tobacco“ unter der Adresse http://www.bat.library.ucsf.edu.

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