Esoterik an deutschen Hochschulen?

Florian Freistetter hat im Scienceblog ausführlich über den Esoterik-Studiengang an der Universität Frankfurt/Oder geschrieben. Ein paar Recherchen auf der Webseite der Hochschulrektorenkonferenz bringen noch mehr Dinge ans Tageslicht.

Fangen wir mit den staatlich anerkannten Hochschulen bei Bonn oder in der Stadt der S-Bahnlinie S21 an. In der zu erst genannten kann man nicht nur Eur**hmie auf Bachelor und Master studieren, sondern auch BWL.  Betriebswirtschaftslehre? Ja, ein handfestes Fach. Wie das wohl kommt?

Ein Blick in die Unterstützerliste der Fakultät (bzw. der Hochschule) zeigt, dass es sich um die Creme de la Creme der anthroposophischen Unternehmen Deutschlands handelt. Also manifestiertes Gutmenschentum? Nein. Ein Blick in die Mitarbeiterliste des Fachbereichs Wirtschaft zeigt, dass der Forschungsschwerpunkt sehr gut in das Profil der unterstützenden Unternehmen passt (Logistik, Dienstleistungsmanagement usw.). Das ganze firmiert dann auch unter „Wirtschaft neu denken“ – die Forschungsschwerpunkte sehen nicht ganz so „progressiv“ aus, wie Beispielsweise an der Gaia University (die ich jetzt verlinken werde). Wie „neu gedachte Wirtschaft“ aussehen kann, konnte man bei Alnatura neulich nachlesen. (Ganz so neu ist die Taktik keinen Tarifvertrag abzuschließen natürlich nicht, aber sagt das Alnatura bitte nicht!)

In der Stuttgarter (wissenschafts-)freien Hochschule  werden Gott und Atlantis sei Dank „nur“ Lehrer für besondere Schulen ausgebildet. Schulen, für die es, so sagt man, nur drei Gründe geben soll.

Das alles geschieht staatlich anerkannt und mit ziemlicher Sicherheit auch mit staatlicher, finanzieller Unterstützung, so wie es bei den meisten Privathochschulen ist. Im Übrigen auch bei den Privatschulen.

Doch auch an „normalen“ privaten Hochschulen werden merkwürdige Studiengänge angeboten. An der Hochschule für Gesundheit in Berlin kann man nicht nur Sportpsychologie, Sportmanagement  oder Sanitäts- und Rettungsmedizin studieren (was auf den ersten Blick ehrenhaft klingt), sondern ebenso „Komplement*rmedizin“, sowohl als Bachelor, als auch als Master. Die Studieninhalte klingen ganz wie die aus Frankfurt/Oder. Auch an der privaten Fresenius Hochschule kann man einen Aufbaustudiengang aus diesem Bereich buchen.

Wer als StudierendeR einer klassischen Universität denkt, er/sie würde evidenzbasierte Wissenschaft studieren (Medizin) und nichts mit dem Kram zu tun haben, wird sich wundern, denn Homöpathie & Co gehören mitunter auch zum Curriculum, in welcher Form auch immer.

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