In Taschen anderer Pinkeln [Update]

Kostenpflichtige WCs haben in Deutschland eine lange Tradition, es ist schon fast eine deutsche Tugend. Zumindest wurde ich im letzten Auslandsurlaub mehrmals darauf hingewiesen, dass man in Deutschland sogar fürs Pinkeln zahlen muss (jaja,  gibt’s das auch in anderen Ländern).

Wer erinnert sich nicht an die uralten Klokabinen mit Münzeinwurf – Pissoirs waren umsonst!

In Kaufhäusern zahlt man zwar oft nichts, aber der soziale Druck, wenn man an einer sich bedankenden Reinigungskraft vorbeigeht ist doch enorm. In manchen Städten gibt es WC-Kabinen, für die man ebenfalls zahlen muss, dafür sind sie vollgespickt mit Werbung und angeblich total sauber.

Auf Rastätten kostet das WC schon lange 50 Cent, wobei man freundlicherweise diese 50 Cent als Kunde der Rastätte angerechnet bekommt. Man kann sie sogar sammeln. Wer also eine schwache Blase hat, kann bei einer langen Tour 5 mal Pinkeln gehen und kriegt dafür dann fast schon einen Kaffee. SPON wettert gegen den bösen Betreiber, der nun die Preise auf 70 Cent erhöht hat, der Profitgier wegen – immer diese Heuschrecken (aus dem Ausland!). Es ist schon eine Unverschämtheit, dass man mit deutscher Scheisse im Ausland Geld verdient und der arme Pächter wird als Opfer dargestellt, er betreibt sein Geschäft ja nicht aus Geschäftsinteresse, sondern weil er im tiefsten Herzen der Wohlfahrt nahe steht.

Auf die Spitze getrieben mit der Profitgier hat es aber kürzlich ein deutsches Unternehmen, zufälligerweise in Staatshand: die Bahn. Sie hat ihre WC-Anlagen an einen Betreiber mit neuem Konzept verpachtet/vermietet, die nun satte 100 Cent verlangen (1 EUR), von denen man dann dankenswerterweise 50 Cent als Gutschein für den Einkauf/Konsum am Bahnhof verwenden kann. Erst die ausländischen Heuschrecken und nun eine deutsche Kartoffel, die beim Scheissen Geld verdient? Ich glaube es war der Bahnhof Hannover, bei dem Pissoir sogar günstiger war, als die Kloschüssel. Aber das wurde schnell wieder abgeschafft.
Aber wer ist eigentlich Schuld an der Sache? Ich weiss es nicht, solange ich denken kann, gab es kostenpflichtige Toiletten. Der SPON-Artikel deutet darauf hin, dass der Konzessionsvertrag sowas hätte regeln können, aber natürlich möchte von Seiten des Bundes niemand einem Unternehmen den Profit minimieren.

Ein Grundrecht auf kostenloses Pinklen gibt es leider nicht (auch wenn ich es neulich auf einer Esomesse erläutert bekommen habe…). Es ist ingesamt einfach nur komisch, dass sowas elementares wie der Toilettengang kostenpflichtig ist. 50 Cent, das sind immerhin fast eine DM…fast 2 Ostmark…auf dem Schwarzmarkt sogar noch mehr…

Und passend dazu dieser Artikel der Berliner Zeitung: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/berlin/315373/315374.php

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2 Comments

  1. OZ

     /  06/05/2011

    Moin Cosmo!

    Also…ich weiss nicht wie lange Du denken kannst, aber früher war es eigentlich normal, das mal einfach mal pinkeln konnte ohne zu bezahlen (was ja auch damit verbunden ist: Habe ich die richtige Münze?)

    Ich finde diese Bezahlerei einfach unwürdig, und ich bin erstaunt, so etwas von Dir zu lesen…

    Weiterhin: Was machst du mit Behinderten? Die Bezahlschranken machen das nicht einfacher. Weiterhin: Man kann sicher sein, das wegen der Bezahltoiletten auch wieder mehr in die Pampa gepinkelt wird – sicher nicht im Sinne des Erfinders.

    Pinkeln sollte umsonst sein. „Non olet“ ist zwar richtig, aber im ganzen betrachtet stinkt’s doch, oder? Wie soll das weitergehen? Wir bald der Stuhlgang gewogen und wir bezahlen Grammpreise?

    Es gibt kein Grundrecht auf freies pinkeln? Was kann man denn dagegen machen das man pinkeln muss? Braucht man ein Recht zum pinkeln? Fragen, fragen…Ich würde gern eine Antwort haben! 😀

    Aber mal anseits davon: Bist du noch in Freiburg, oder wie?

    Grüßles! Oz (Oli)

  2. cosmo

     /  15/05/2011

    Ich glaube der Tenor meines Textes ist eindeutig, was das Prinzip des Zahlens angeht, das finde ich nicht lustig. Genau so unlustig finde ich es auf ausländische Investoren zu schimpfen, was zu der Zeit getan wurde, während gute deutsche Unternehmen brav die Gebühren erhöhen dürfen – und nur darum geht es mir in dem einseitigen Text 😉

    Aber nein, in Freiburg bin ich nicht, mehr gerne per Mail!

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