Literaturtipp: Gender und Naturwissenschaften

Und wieder ein Eintrag aus dem Blogarchiv zum Thema Gender und Naturwissenschaften:

Desöfteren werde ich gefragt, was Informatik mit Gender Studies zu tun hat. Programmieren sei schließlich geschlechtsneutral, oder? Ich verweise dann immer auf Evelyn Fox Kellers Analysekategorien zur Untersuchung naturwissenschaftlicher und technischer Fächer. Diese sind „Women in Science“, „Science of Gender“ und „Gender in Science“. Ganz schnell kommen dann ein paar Themen zusammen. Stoff gab es auf jeden Fall für genügend Seminare und die teilnehmenden Informatiker/innen waren immer wieder erstaunt. Da man als Naturwissenschaftler/in mit den kritischen Theorien der Geschlechterforschung nicht oft in Berührung kommt, heute mal ein Literaturtipp:

Ebeling, Smila/Schmitz, Sigrid (Hrsg.): Geschlechterforschung und Naturwissenschaften. Einführung in ein komplexes Wechselspiel. Wiesbaden 2006. (Affil. Link zu Amazon)

Das Buch ist einerseits für Naturwissenschaftler/innen geschrieben, die einen Einblick in die Methoden und Inhalte der sonst eher geistes- und kulturwissenschaftlich orientierten Gender Studies gewinnen wollen und andererseits für Leute, die sich bereits in den Theorien und Methoden der Gender Studies auskennen und einen Einblick gewinnen möchten, wie Geschlechterforschung in den Naturwissenschaften aussieht bzw. aussehen kann.

Das Buch eignet sich auch wunderbar um Grundzüge der Gender Studies zu lernen, denn das erst genannte Ziel des Buches (Naturwissenschaftler/innen Gender näher zu bringen), bringt es mit sich, dass auf die kraftvollen und auf den ersten Augenblick schwierig zu verstehenden Fachbegriffe, mit denen die Geisteswissenschaften operieren, verzichtet wird. Da Gender Studies in diesem Bereich ein Hort der Wissenschaftskritik ist und so in Wissenschafts- und Erkenntnistheorie übergeht eignet es sich auch um kurz und bündig etwas zu diesen beiden Bereichen zu erfahren, wobei es nicht als Einstiegsbuch in die Wissenschafts- und Erkenntnistheorie gesehen werden soll.

Beim Verlag (Link) gibt es weitere Infos zum Buch. Bei der GBV gibt’s auch ein Inhaltsverzeichnis (Link). Über Springer ist das Buch in manchen Bibliotheken und Hochschulen auch digital verfügbar.

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3 Comments

  1. Schmitz finde ich im Biologiebereich eher nicht geeignet. Sie ist zu sehr Ideologin um fair zum Thema zu schreiben.
    Allgemein scheint mir der Gender Studies Bereich recht unkritisch philosophische Erwägungen in die Naturwissenschaft übertragen zu wollen und dabei im wesentlichen die Fakten zu ignorieren. Die Queer Theorie von Butler zB ignoriert beständig alle Ergebnisse der Biologie.

  2. cosmo

     /  27/08/2010

    Danke für deinen Kommentar. Aber wirklich etwas antworten kann ich (und man) darauf nicht. Vorwürfe wie „zu sehr Ideologin“ können mit irgendwelchen Argumenten nicht entkräftet werden.

    Zu Butler sei nur eins gesagt: Sie ist und bleibt eine Sprachphilosophin, nicht mehr und nicht weniger, daraus unmittelbare Angriffe auf die Biologie und ihre Handhabung von „Geschlecht“ abzuleiten ist leider ein Fehler der oft getan wird.

    Zur Auseinandersetzung von Geschlecht in der Biologie (oder von mir aus auch in den Naturwissenschaften) sei hier auf „Löwy, Ilana: Gender and Science“ verwiesen.

  3. Schmitz stellt meiner Meinung nach biologische Zusammenhänge schlicht falsch dar. Sie behauptet einfach, dass Männer und Frauen gleich sind und pickt sich dann ein paar Sachen raus.

    Beispielsweise verschweigt sie im Spitzensport die anabole Wirkung von Testosteron. Und von den vielen Unterschieden im Gehirn pickt sie sich (ähnlich wie Fausto-Sterling) den Corpus Callosum raus, weist da auf Widersprüche hin und ignoriert den Unterschied.

    Butler würde ich nicht nur als Sprachphilosophin, sondern zunächst als Dekonstruktionistin sehen. Sie bezieht sich ja direkt auf Foucault und dessen Theorien und ihre Auffassung, dass man die Geschlechterrollen durch subversive Akte aufweichen soll ist ja nicht auf die Sprache beschränkt

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