Die HU kam auf die brilliante Idee mehrere Fachbereichsbibliotheken und die alte Zentralbibliothek in eine neue Universitätsbibliothek, dem Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum (aka. Märchenzentrum) zusammenzuführen. An sich ist das nichts schlimmes, sondern sogar begrüßenswert. Aber in der praktischen Umsetzung hakt es noch.
Plötzlich merken alle, dass der Besuchsandrag extrem groß ist. Bedingt ist das z.B. durch diejenigen, die nicht Lernen, sondern nur die Architektur betrachten wollen oder den ganzen Studis anderer Berliner Hochschulen, denen der Weg zu ihrem Campus zu weit ist. Das alles führt nun zu gewaltigen Problemen…
Da im gesamten Bibliotheksbereich Jacken und Taschen, wie üblich, nicht erlaubt sind müssen diese abgeben werden. Aber im Gegensatz zur alten Freiburger UB gibt es keine bewachte und ausreichend dimensionierte Garderobe, sondern nur mehrere hundert Schließfächer. Die Schlüssel stecken drin, jedeR kann die Fächer nutzen. Das Ergebnis ist, dass besonders spitzfindige NutzerInnen Fächer dauerresevieren, indem sie die Fächer leer hinterlassen, aber den Schlüssel mitnehmen. Um dieser prekären Situation zu begegnen wurde eine Minigarderobe eingeführt, die von einer Sicherheitskraft bedient wird. Es gibt also auch dort regelmäßig eine Schlange. Als in Freiburg die UB in die Stadthalle zog wunderte ich mich, warum man die Schließfach-Schlüssel nur am Automaten mit UB-Ausweis holen kann. Seit dem ich die Situation im Märchenzentrum kenne, beneide ich die NutzerInnen der Freiburger UB.
Es gibt eine handvoll Arbeitskabinen, die man online zu buchen hat. Statt eine große Anmelde- und Warteliste zu erstellen, muss man sich für jede einzelne Etage und Kabinenart (mit und ohne PC) einzeln anmelden bzw. auf die Warteliste setzen lassen. Das beste ist, dass die Reservierung (=Warteliste) nach wenigen Monaten ohne Kommentar gelöscht wird, man muss sich also in den eigenen Kalender eintragen, wann man seine Reservierung “verlängert”. Und das bei dutzenden von Leuten auf der Liste. Wenn jedeR die Kabine 2 Monate nutzen kann, kann man sich ausrechnen, wie lange es dauert, bis man in den Genuß einer Kabine kommt.Mittlerweile kann ein die Reservierung länger aufrecht erhalten werden.
Ferner war man total überrascht davon, dass die Arbeitsplätze rege genutzt werden. Auch hier kamen findige NutzerInnen auf die Idee an einem ihren 8h-stündigen Kaffeetrink-Tage, an dem sie vielleicht noch zusätzlich 2-3h arbeiten, ihren Arbeitsplatz den gesamten Tag mit Büchern o.ä. zu “reservieren”. Wie begegnet man dieser Situation? Ich weiss es nicht. Aber eine Ausstellung in Sitzbereichen zu eröffnen (man arbeitet ja nicht nur an den Arbeitsplätzen) ist nicht gerade das, was man tun sollte, wenn Plätze Mangelware sind – so geschehen vor ein paar Wochen. Stattdessen werden wieder Summen in “Parkscheiben” investiert, mit denen man den Anspruch auf (vgl. http://www.ub.hu-berlin.de/news/standorte/grimmzentrum/wenn-sie-im-grimm-zentrum-laenger-pause-machen..) den Arbeitsplatz bei Pausen o.ä. nicht verliert:
Ich frage mich welche Uhrzeit eingestellt werden muss. Aber ich werde es wohl künftig so handhaben wie im Straßenverkehr, also auf die kommende halben Stunde. Im besten Falle also knapp 90 Minuten. Es kam ja wirklich total überraschend, wenn man über ein Dutzend Zweigbibliotheken dicht macht inkl. den dortigen Arbeitsplätzen. Formal sind es zwar angeblich “doppelt” so viele Arbeitsplätze wie früher, aber wer weiss ob das stimmt.
Apropos Arbeitsplätze: Die Rechner haben auch noch nie alle funktioniert. Wirklich katastrophal…
Die Presse hat auch schon darüber berichtet, wie in diesem aktuellen Artikel aus der Berliner Zeitung: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/berlin/294896/294897.php
Wenigstens wird an die Mitarbeitenden gedacht: Mittags sind bei der Cafeteria Tische für Mitarbeitende der UB reserviert und die Studis halten sich offensichtlich dran.
