Studieren ohne Abitur

Ich arbeite gerade am Thema „Studieren ohne Abitur“. Es gibt leider derzeit keine gute Übersicht, über die landesrechtlichen, formalen Zugangswege. Es kursiert eine Übersicht der HRK, die aber von 2007 stammt (vgl. http://www.wege-ins-studium.de/de/studiumaberwieundwas/studierenohneabitur.htm). Von daher ist diese Liste nicht zu empfehlen, denn die Gesetze haben sich in den letzten beiden Jahren massiv verbessert (im Vergleich zu vorher – sie sind immernoch verbesserungswürdig).

Am besten ist es, man informiert sich auf den Webseiten der zuständigen Ministerien, sie haben (bis auf wenige Bundesländer) alle Infos zusammengestellt. Auf dieser Grundlage sucht man sich eine Hochschule und den Studiengang aus, wie es auch reguläre Studieninteressierte tun (zB. mit dem Hochschulkompass). Die Recherche bei den Ministerien ist notwendig,  denn die Hürden sind je nach Bundesland immernoch sehr unterschiedlich. In einem Land reicht bei FacharbeiterInnen eine Berufserfahrung von 2 Jahren aus (Brandenburg), bei manchen sind 4 (Berlin) von Nöten.

Meister/innen haben es in der Regel relativ einfach, die KMK hat dies auch 2009 so beschlossen. Sie haben oft  einen freien Zugang, aber auch hier ist er in manchen Bundesländern eingeschränkt, wie z.B. in Berlin, wo zunächst ein Probestudium absolviert werden muss.

Obwohl es Erleichterungen im formalen Bereich gibt, muss man bedenken, dass nicht jede Uni etwas mit diesen Berufserfahrenen (ich nenne sie Berufsabiturienten) zu tun haben will. Man sieht es z.B. daran, wie Hochschulen darüber informieren. Während manche gezielt und ausführlich informieren und auch berufliche Qualifikation anrechnen, muss man bei anderen die Informationen mit der Lupe suchen (z.B. bei der Universität Freiburg) oder kann sich gar nicht wie reguläre Bewerber/innen online, sondern nur offline bewerben.

Wer den Job aufgibt und wie reguläre Studierende anfängt hat’s einfacher, als diejenigen, die berufsbegleitend studieren wollen (mal abgesehen vom BAföG, was nicht für solche Menschen gedacht ist). Berufsbegleitend meint ein Studium, in dem der Seminar- und Stundenplan an Berufstätige angepasst ist. Das höchste der Gefühle, und weit verbreitet ist es nicht, in manchen Bundesländern nur ausnahmsweise, ist ein Teilzeitstudium. Bleibt oft nur das Angebot der teuren Privathochschulen oder eines Fernstudiums.

Und das alles in Zeiten, in denen alle vom Fachkräftemangel sprechen – daran geändert wird nicht viel.  Es gibt die ein oder anderen Sonderprojekte (z.B. in Ba-Wü im Rahmen des Wettbewerbs zum „individuellen Studieren“ an dem nun 12 Hochschulen teilnehmen und die solche herausragenden Projekte durchführen wie „Teilzeitstudium“ oder 1-2 Zusatzsemester im Bachelor-Studium (haha¹) – oder in Bayern im Rahmen des Projekts für berufsbegleitendes Studieren, an dem nun 4 Hochschulen und Studiengänge gefördert werden, wie z.B. in Nürnberg).

Es gibt zwei Probleme, die verhindern werden, dass Menschen ohne reguläres Abitur studieren können. Zum Einen der Bildungsföderalismus, der nur zu Verwirrung führen wird, was sogar das CHE bemängelt („die dunkle Seite des Bildungsföderalismus“) und zum Anderen die Tatsache, dass die deutschen Universitäten die ältesten Einrichtungen im Lande sind, abgesehen von der Katholischen Kirche.

Es werden also noch viele dicke Bretter zu bohren sein, aber „wir arbeiten dran“.

Hier noch ein Linktipp:

Broschüre an der ich mitwirkte, und die einen Überblick gibt, wie man sich nach der Berufsausbildung in ein Studium begeben kann: Ausgelernt – und nun? Studieren! Leider wird diese Broschüre erst zum Semesterbeginn (wahrscheinlich etwas später) überarbeitet sein, nachdem die ganze Bewerbungsphase abgeschlossen ist.

¹ = Es ist amüsant zu sehen, dass man zur Implementierung eines flächendeckenden Teilzeitstudiums 500.000 € vom Ministerium verbraten kann, wie in Heidelberg. In Offenburg kann man nun ein „Vorsemester“ belegen. Und es ist auch schade, dass man für den berufsbegleitenden BWL-Studiengang in Nürnberg 14.500 EUR „investieren“ darf, während die regulären Studis ziemlich günstig weg kommen. Aber das Thema Studiengebühren soll jetzt hier nicht auch noch angefangen werden.

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