Ticketumtausch bei Flugausfall, Streik usw.

Wer einen Flug gebucht hat und dessen Flug gestrichen wird, sollte sich genau überlegen, ob er das Angebot der Fluglinie annimmt ein Zugticket zu erhalten.

Airlines bieten Passagieren manchmal an, das Flugticket direkt in eine Zugticket umzuwandeln. Das klingt erst einmal komfortabel, kann aber am Ende teuer werden.

Der gesamte Flugpreis wird nämlich einbehalten, auch jene Steuern und Preiskomponenten, die gar nicht anfallen. Es kann daher güntiger sein, sich das Flugticket komplett zurückerstatten zu lassen und mit diesem Geld ein reguläres Bahnticket zu kaufen.

Insbesondere Besitzer eine Bahncard können hier günstiger davonkommen – es lohnt sich also nachzurechnen, was ein Zugticket kostet und ob es günstiger kommt als das Flugticket.

Bei Super-Schnäppchen-Flugtickets könnte aber auch der umgekehrte Fall eintreten: das Bahnticket wäre teurer. Dann lieber das Angebot der Airline annehmen.

In meinem konkreten Fall musste ich im Sommer 2012 am Hannoveraner Flughafen feststellen, dass wegen des ausgefallenen Flugradars in Bayern mein Flug nach München annuliert wurde. Das Flugzeug konnte in München gar nicht erst starten und auf dem Weg zurück die Passagiere von Hannover in die bayerische Landeshauptstadt befördern (vgl. http://www.sueddeutsche.de/muenchen/flughafen-muenchen-radarausfall-legt-airport-lahm-1.1404961).

Im Terminal ist das absolute Chaos ausgebrochen – verständlich, wenn plötzlich nach und nach Passagiere zweier Flieger in den Süden eine Auskunft wollen. Leider war das Personal der Lufthansa hoffnungslos überfordert, aber ist auch klar: werden doch z.B. Aushilfskräfte als „Lotsen“ eingesetzt um Kunden an die Checkin-Automaten umzuleiten, die natürlich von solchen Ausnahmesituationen überhaupt keine Ahnung haben. Jenes Fachpersonal, welches kompetent Auskunft geben könnte, war rar gesät.

Man bot mir gleich einen Umtausch in ein Zugticket an, was ich sofort annahm ohne drüber nachzudenken.

Wieder zurück in der niedersächsischen Heimat, versuchte ich die flugspezifischen Anteile des Tickets zurückzufordern. Leider gelang das nicht. Man stellte sich quer, weil man seiner Beförderungspflicht nachgekommen sei. Und das für einen Flugpreis der deutlich über der  ca. 70  EUR (Preis der 2. Klasse Bahnfahrt nach München) lag, die  das Zugticket gekostet hätte.

Eine Beschwerde bei der Schlichtungsstelle verlief leider ohne Erfolg, weil die Lufthansa zum damaligen Zeitpunkt nicht daran teilgenommen hat. Einen Rechtsstreit habe ich deswegen jedoch nicht begonnen. Der einzige Wehrmutstropfen: Aus Kulanz hat man mir die Mehrkosten für den ganzen Stress (Telefonate vom Handy auf teure Lufthansa-Hotlines, Reservierung im Zug etc.) erstattet.

Wer also bei einem Streik, Radarausfall, technischen Störung usw. das Angebot erhält den Flug erstattet oder in ein Zugticket umgewandelt zu bekommen sollte ganz kurz nachrechnen.

Update 29.3.14 : Welche Rechte man bezüglich Umtausch und Rückgabe des Tickets hat, ist nicht Gegenstand dieses Beitrags. Die FAZ informiert ausführlich dazu: http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/geld-ausgeben/nachrichten/flughafen-streik-was-passagiere-wissen-muessen-12863241.html

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1 Comment

  1. Manni

     /  01/08/2014

    Ich denke ein Anwalt hätte da schon noch etwas bewirken können. Angenommen ich hätte einen Anschlussflug in München gehabt, hätte ich ihn wahrscheinlich nicht mehr wahrnehmen können. Da hilft mir ein Zugticket relativ wenig….
    Steuern und Mehrkosten ( wie Kerosinzulage usw.) sollten da denk ich so oder so zurückerstattet werden zusätzlich zu der Ersatzbeförderung!!!
    Steht zumindest hier bei den Infos für Fluggastrechte bei einer Flugverspätung.

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